Entscheidungshilfe
"Geschosse und Geschossfang insbesondere in der Raumschießanlage"

Entwurf 11.12.2006


Abgefeuerte Geschosse sind eine tödliche Gefahr.

Der Umgang mit Geschossen und die Errichtung von Geschossfängen erfordern Kenntnisse über deren physikalische Eigenschaften.

Da wir uns in einem physikalischen Grenzbereich bewegen, und da die Verletzung durch Geschosse unermessliche Gefahren bergen, ist ein Erfahrungsaustausch für alle, die sich mit der Materie befassten müssen, von Bedeutung.

Hinweise oder Beiträge hierzu, können gern an folgende E-Mail-Adresse gerichtet werden: rudat@polywall.com.

Bei Besprechungen zum Thema "Geschossfangbau" stellt sich immer wieder heraus, dass keine einheitliche Sprache gesprochen wird. Das bedeutet, dass man eventuell sogar aneinander vorbeispricht, oder dass physikalische Begriffe verwendet werden, die unterschiedlich definiert werden. Deshalb ist es zunächst von Wichtigkeit, dass man als Grundlage für alle Überlegungen einige Begriffe aus der Physik eingehend erläutert. Der interessierte Leser wird sich bereits bei der Definition der Begriffe "plastisch" und "elastisch" in die Problematik besser eindenken können.

Es ist also sinnvoll und hilfreich auf einige Begriffe aus der Physik tiefer einzugehen:

1. Plastisch und elastisch

Eine plastische Verformung finden wir bei beispielsweise bei feuchtem Ton. Ein durchgekauter Kaugummi ist plastisch. Plastische Materialien haben also eine Festigkeit, die bei Einwirkung von Kräften das Material verformen lässt, ohne dass es in den Urzustand zurückgehen möchte.

Materialien die ihre Form beibehalten wollen, nennen wir elastisch, z.B. eine Stahlfeder, ein Radiergummi, ein Tennisball usw.

Messing ist beispielsweise mehr elastisch als Blei. Blei hingegen ist plastischer. Dass dies im Schießstand, insbesondere in der Raumschießanlage große Bedeutung hat, wird anschließend an die Begriffdefinitionen erläutert.

2. Flugbahn, Masse, Geschossform, Drall

Diese Begriffe sind in der Ballistik hinreichend erklärt worden und hängen direkt miteinander zusammen. Ein Geschoss soll auf möglichst geradem Weg von A nach B durch die Luft fliegen. Dass hierzu ein Material mit hoher Masse besser geeignet ist, soll hier nicht näher beschrieben werden.

Die Flugbahn kann man auf folgende Art verbessern:

1. Man verwendet ein schweres Material (mehr Masse).
2. Man macht das Geschoss größer (mehr Masse).
3. Man macht das Geschoss schlanker (kleiner Luftwiderstand bei viel Masse).
4. Man gibt dem Geschoss einen Drall, damit es den geringen Luftwiederstand auf der Flugbahn beibehält und nicht quer kommt. Der Ballistiker nennt das stabilisieren der Flugbahn durch den Drall.

Die Masse ist bei einem Geschoss von größter Wichtigkeit.
Nachfolgende Aufstellung zeigt die Dichte gebräuchlicher Geschosswergstoffe:

Messinglegierungen Dichte 8,25
Blei Dichte 11,34
Plutonium Dichte 19,80


Nun zum eigentlichen Thema, dem Schießen im Schießstand.

Hierzu sollen nachfolgend einige Feststellungen unsortiert aufgelistet werden:

1) Im Schießstand (wie im Gelände) soll die Munition möglichst wenig elastisch sein. Sonst verhält sie sich wie ein Pingpong-Ball und ist kaum kontrollierbar. Während Geschosse mit Bleikern der Stahllamelle im Lamellengeschossfang folgen, haben Geschosse mit messingähnlichem Kern ein eher unberechenbares Verhalten (Bild folgt).

Deshalb sollte ein Stahllamellengeschossfang für Messinggeschosse hinter den Lamellen einen wesentlich größeren Spalt aufweisen. Die Gefahr von Rückprallern ist ungleich größer.

2) Die Befürworter von Stahlgeschossfängen gehen oft davon aus, dass die Wartungskosten entfallen. Diese Annahme ist aber weit gefehlt, da schützenseitig ein Splitterschutz angebracht werden muss, der bei jedem Schuss immer mehr beschädigt wird. Da der Splitterschutz hängend angebracht wird, kann das Material nicht plastisch sein, sonst würde es reißen. Also muss man ein elastisches Material wählen, damit sich das Durchschussloch elastisch schließt. Ein plastisches Material in Blöcken gestapelt, wäre hier ideal, da sich das Loch durch den Druck von oben selbst schließt. Die Gefahr des Abreißens wie bei Vorhängen, besteht dann nicht.

3) Im Schießstand und im Freien ist ein plastisches Geschoss weit sicherer. Was die Sicherheit im Schießstand betrifft, ist die ideale Kombination ein möglichst plastisches Geschoss auf einen möglichst plastischen Geschossfang.

4) Die Idee, im Schießstand Übungsmunition einzusetzen die aus gesintertem Material besteht und zu Staub zerfällt, wenn sie auf eine senkrechte Stahlplatte trifft, hat sich nicht bewährt. Es wurde hierbei nicht berücksichtigt, dass jeder Schuss wie ein kleiner Schlag mit einem Dängelhammer auf den Geschossfang wirkt. Dies gilt auch für Sintergeschosse. Diese Geschossfänge wurden nach kurzer Zeit wieder ausgebaut, da sich das Geschossfangmaterial zum Schützen hin gewölbt hat. Auch andere gewünschte Vorteile bleiben im praktischen Betrieb aus.

5) Im Jahre 1994 hatte man erstmalig hochfeste Ketten in mehreren Lagen als Geschossfang eingesetzt. Man ging davon aus, dass die Kettenglieder beim Auftreffen des Geschosses, dieses elastisch abbremsen und möglichst unversehrt auf den Boden fallen lässt. Im Prinzip ist auch diese Idee bei erster Betrachtung gut. In der Praxis zeigt sich aber, dass die Geschosse wie im Lamellengeschossfang deformiert werden (Foto folgt). Das liegt daran, dass die Kette durch ihr Eigengewicht gespannt wird und das Geschoss eben nicht sanft abbremst. Bei Geschossen mit einer Geschossgeschwindigkeit von mehr als 500 m/sek. ist der Kettengeschossfang ohnehin völlig ungeeignet (siehe Foto). Der Pingpong-Effekt mit messinghaltigen Geschossen ist beim Kettengeschossfang genauso gegeben wie beim Stahllamellengeschossfang.

6) Kettengeschossfänge sind wie Stahllamellengeschossfänge gesundheitsschädlich, da sie Metallstäube verursachen, die allesamt toxisch sind. Alle Stahlgeschossfänge belasten die Lüftungsanlage. Nachfolgende Fotos zeigen Beschussversuche mit dem Geschoss .308 Winchester:


Ein Schuss auf eine hochfeste Kette im Kettengeschoßfang mit .308 Winchester


Ein glatter Durchschuss durch eine 6mm Stahlplatte St 52 mit .308 Winchester


Ein Schuss auf Panzerstahl mit .308 Winchester. Zurück bleibt eine Staubwolke.
Wegen der Funkenbildung sind gehärtete Stahlplatten allerdings in Raumschießanlagen nicht geeignet.

Obige Bilder zeigen nur den Vergleich mit dem selben Geschosstyp.
Hartkerngeschosse dringen allerdings auch in gehärteten Panzerstahl ein. Dies ist nicht allgemein bekannt.

Weitere Bilder folgen.

Fazit Geschosswahl:
Das sicherste Geschoss im geschlossenen Schießstand ist das möglichst plastische.
Elastische Geschosse sind weit unkontrollierbarer durch deren Pingpong-Effekt.
Ein schweres Geschoss hat wesentlich bessere ballistische Eigenschaften als die Leichtgeschosse.
Blei-, Kupfer- und Zinkstäube sind allesamt toxisch!
Siehe auch Toxikologie von Blei, Kupfer und Zink

Fazit Geschossfangwahl:
Der sicherste und absolut staubfreie Geschossfang im geschlossenen Schießstand ist der gestapelte plastische, da er das Geschoss aufnimmt und abbremst und das Loch im Stapel durch Druck zusätzlich dauerhaft verschlossen wird. Toxische Metallstäube fallen nicht an. Ein Splitterschutzvorhang ist nicht erforderlich, da das Geschoss sofort staubfrei eindringt. Die Wartung ist einfach. Ein kostenintensiver Stufengeschossfang im Hauptschussbereich (wurde zeitweise gefordert) ist nicht erforderlich, sondern eher nachteilig.

Geschossfang kontra Lüftungsanlage in geschlossenen Schießständen:
Der größte Kostenfaktor in Zusammenhang mit dem Geschossfang ist die Lüftungsanlage. Wenn von einem weichen Geschossfang z.B. auf einen Stahllamellengeschossfang umgestiegen wird, reicht die Lüftungsanlage bei weitem nicht mehr aus, um einen einigermaßen gesundheitsverträglichen Betrieb zu gewährleisten. Denn jeder Schuss erzeugt eine Staubwolke und die Metallstäube sind Toxine. Beim Polywall-Geschossfang gibt es hingegen keine Staubbelastungen.

Anfragen bitte per E-Mail an: info@polywall.com